Autorin der Daimonen-Bücher

Rezensionen und Kritiken

Alex Dengler, BILD am SONNTAG:

Vier Gefährten gegen den Größenwahnsinnigen

Fünf Schlüssel, magische Talismane, öffnen den Schrein der Wahrheit. Vier Gefährten im Kampf gegen den größenwahnsinnigen Daimon um die absolute Macht. Der Roman bricht wie ein Wirbelsturm über einen herein. Er umschlingt einen, reißt einen mit, unaufhaltsam, ohne Gnade, bis zum bitteren Ende muss man die Seiten in Windeseile umblättern. Schlaflose Nächte sind garantiert. Nicht nur Herr-der-Ringe-Fans werden eine große Freude daran haben. Das ist Fantasy par excellence.

Im Buchmesse-Special der BILD am SONNTAG wählte Literaturkritiker Alex Dengler "Der fünfte Stein" für die Top-5 aus.

 

Tina Thurner, Neue Züricher Zeitung:

Im dritten Jahrtausend nach Anno Domini

Micha Pansis "Das Buch der Schlüssel"

Ein gekonntes Spiel mit Stereotypen, krude Lust am Kitsch und viel Spannung bietet der Fantasy-Roman "Das Buch der Schlüssel" der in Zürich lebenden Österreicherin Micha Pansi.

Wenn "Zen", "Jahwe" und "Elvis", letzterer gar mit dem Beinamen "Christus", in einem Atemzug genannt und als drei von fünf gleichwertigen Schlüsseln zur Wahrheit geschildert werden, haben wir es wohl mit einer geistigen Verwirrung zu tun. Wenn einem dann noch weisgemacht wird, "Anno Domini", worunter jeder mittelmässige Lateinkenner einen zeitlichen Fixpunkt versteht, sei der Vor- und Zuname eines Propheten und "Marx" der "Gott der Aufrechten", ist die Konfusion komplett – so könnte man meinen. Und doch sind die genannten Gegenstände und Figuren Bestandteil einer in sich stimmigen, imaginären Welt. – Die in Zürich wohnhafte Micha Pansi hat in ihrem Erstlingswerk, dem kürzlich erschienenen Fantasy-Roman "Das Buch der Schlüssel", diese bis ins Detail durchdachte Welt geschaffen. Sie weist so viele Berührungspunkte mit der unseren auf, dass man annehmen könnte, es handle sich lediglich um eine zeitliche Entrückung, wären da nicht noch all die Geister und jenseitigen Mächte, die Magier und deren Schüler, die Un- und die Halbtoten. Geschickt vermischt der Roman Realistisches mit Visionärem, mit Wunderbarem und grotesk Bizarrem, ohne ins absolut Spiritistische abzudriften. "Das Buch der Schlüssel" ist ein gelungenes Lavieren zwischen dem Spiel mit Stereotypen, Spannung und Freude am Kitsch.

In Riem führt der erfahrene Daimon Lutzold mit seinem Schüler, dem tumben Xander, trotz den Wirren des Krieges ein harmonisches Dasein: Bis Sigyn, die Prinzessin von Dahl entführt wird und der grössenwahnsinnige Herrscher der Flammenburg die ihm noch fehlenden Schlüssel zum Schrein der Wahrheit mit allen Mitteln in seinen Besitz zu bringen versucht. Da kommen der Söldner Haldur, der verlorene Prinz Wolf und die Diebin und Kaisersnichte Doran zum Zuge. Auch wenn Wolf Fähigkeiten besitzt, die über jene eines Normalsterblichen hinausgehen, tragen diese drei doch deutlich menschliche Züge. Die hochmütige Doran und der stolze Haldur zanken sich anfänglich dauernd, bis sie nach der ersten gemeinsam überstandenen Todesgefahr unzertrennlich werden. Wolf, der in seinem jungen Leben bereits einiges durchgemacht hat, bleibt trotz zeitweilig aufkommenden Rachegelüsten stets der Inbegriff des guten und geschickten Helfers. Rädelsführer des Bösen ist Schaaraoch, den die Aussicht auf grenzenlose Macht vom rechten Weg in die Irre geführt und der durch seinen eigensüchtigen Wissensdurst Krankheit und Leid über seine Länder gebracht hat. Das Weisse Fieber verwandelt Menschen innert kürzester Zeit in Kreaturen, die weder tot noch lebendig sind und ohne Bewusstsein als Haufen verfaulenden Fleischs ihr Unwesen treiben.

Die Beschreibung der Fieberopfer und deren Bekämpfung ist so grauenerregend, dass dem ganzen Buch etwas Bestialisches anhaftet. Dennoch ist es gerade diese düstere Stimmung, erzeugt durch eine ausdrucksstarke Sprache, welche eine gewisse Faszination des Buches ausmacht – auch wenn die Autorin dabei stellenweise etwas zu weit geht: So lässt sie beispielsweise die "Gedärme des Windes" durch die Luft wirbeln und die Untoten einen "Sprühregen von Blut" aus dem "verwesten Mund" speien.

Die Spannung, ob das Abenteuer gelingt und – wie erwartet – das Gute über das Böse siegt, rettet Micha Pansi über den Schluss hinaus, denn: "Das Buch der Schlüssel" ist der erste von drei Teilen. Diese und viele andere Besonderheiten, so auch die eingestreuten, scheinbar authentischen Belege, lassen vermuten, wer für Micha Pansis Werk Pate gestanden hat. Es erzählt, wie John Ronald Reuel Tolkiens "The Lord of the Rings", die in den fünfziger Jahren erschienene Fantasy-Roman-Trilogie, eine aus alten Mythen und Pseudomythologien gespeiste, geschickt mit verschiedensten Spannungsmomenten operierende Geschichte, die daherkommt wie ein "historischer" Bericht einer anderen Ära.

 

Hans Keller, Tages-Anzeiger, Zürich:

Phantastisch

Schon mal was von einem Land namens Ardak gehört? Kelrun, Kech, Batonien? In keinem Atlas zu entdecken. Die eigenwillige Geographie entspringt der Phantasie von Micha Pansi. Ihr "Buch der Schlüssel" – erster Teil einer Trilogie – lässt sich zum Genre "Fantasy" rechnen, einer in angloamerikanischen Ländern respektierten Literaturform, die hierzulande immer noch mit spitzen Fingern angefasst wird.

Pansi debütiert bravourös und wartet mit einer Art brutalisiertem Tolkien auf. Sie erfand für ihr Epos ein archaisches Zukunftsleben, das sich auf den Trümmern unserer Zivilisation abspielt. Die neue Zeitrechnung beginnt mit Anno Domini, dem ersten der sogenannten Daimonen. Diese Mischwesen aus Magiern und Gurus sind hinter fünf Schlüsseln namens Islam, Zen, Uran und Elvis Christus (!) her, mit welchen sich ein "Schrein der Wahrheit" öffnen lässt. Ein drohender Krieg erschwert die Suche, man kämpft gegen Abenteurer, gedungene Fighter und als Zombies umgehende Seuchenopfer.

Es gelingt der Autorin, in den bunten Mix aus Horror, Science Fiction und Fantasy Spannung zu bringen und diese bis zum Schluss aufrechtzuerhalten; vor drohenden Abstürzen in esoterische Löcher retten sowohl harte Töne als auch der immer wieder aufblitzende Witz und Humor.

 

Carsten Kuhr, Phantastik.de:

Die Leser von Fantasy-Romanen werden in letzter Zeit mit deutschsprachigen Autoren verwöhnt. Erst begann Bastei-Luebbe mit Frank Rehfeld und Helmut Peschs Fantasy-Romanen, nun zieht Heyne nach. Von Harald Evers wird der erste, sehr umfangreiche Teil der Höhlenwelt-Saga aufgelegt, und die mir bislang unbekannte Micha Pansi glänzt mit den ersten beiden Teilen ihrer Daimonen-Trilogie, deren erster in kleiner, limitierter Auflage erschienene Teil von der Neuen Zürcher Zeitung mit grossen Wohlwollen gewürdigt wurde.

Um was geht es? Wir befinden uns in einer Welt, die wir unschwer als eine Zukunftsversion unserer Erde zu erkennen vermögen. Von der übermächtigen Technik ist nach 2000 Jahren nichts übrig geblieben, die Menschen sind wieder auf ein mittelalterliches Niveau herabgesunken. Es existieren noch vereinzelte Ruinen, die von den Gelehrten der Welt mit grossem Interesse studiert werden. Jene Gelehrte, Daimonen genannt, zeichnen sich durch erlernte magischen Fähigkeiten aus. Sie vermögen es, in die Traumwelt der Geister einzudringen, ihre sterbliche Hülle zu verlassen und andere Kunststücke mehr. Das Land wird gebeutelt von einer unheilbaren Seuche, das Weisse Fieber genannt, die die Menschen zu zombie-ähnlichen Wesen mutieren lässt. Hier begegnen wir der Schar unserer Protagonisten; – ein alter, erfahrener und manchmal etwas schrulliger Daimon mit Namen Lutz und sein Schüler Xander wollen verhindern, dass der übermächtige Herrscher Schaaraoch fünf magische Talismane, Paralle genannt, die den Mythen nach den Schrein der Wahrheit zu öffnen vermögen, in seine Hand bekommt. Doch das Unterfangen, in dessen Verlauf unsere beiden noch Mitstreiter sammeln, misslingt, Schaaraoch zwingt Lutz dazu, die Paralle als Schlüssel zu nutzen und den Schrein zu öffnen. Erst die Loslösung der von ihm geschaffenen lebenden Toten von ihrer bedingungslosen Treue zu Schaaraoch bringt den Wandel. Der Usurpator stirbt, nur um sich als lebender Toter in die Katakomben seiner Festung zurückzuziehen, seine Gefährtin, die laszive Akàra flieht mit den Parallen.

Im zweiten Teil verfolgt unsere Truppe die Flüchtige, und versucht die magischen Relikte zurückzuerlangen, während Lutz schwer verletzt versucht, einen der im Zwischenreich verschollenen Gefährten zu befreien. Die Handlung lässt sich recht schwer zusammenfassen, zu umfang- und abwechslungsreich sind die auftretenden Personen, zu unterschiedlich und interessant ihre jeweilige Pseudohistorie. Immer wieder gelingt es der Autorin mit einigen wenigen, quasi eingeschobenen Seiten ihren Figuren Leben einzuhauchen, eine Plastizität zu verschaffen, die verblüfft und uns staunen lässt. In kurzen Rückblenden auf die Jugend der Protagonisten erfahren wir nicht nur Wissenswertes über die jeweilige Person und deren Motivation, wir bekommen auch ein komplexes Bild der Welt unserer Bücher vermittelt. Dies alles in einem sorgfältigen, bewusst eingesetzten Stil, der das Lesen zur Freude macht und uns ungeduldig auf das Erscheinen des abschliessenden dritten Teiles warten lässt. Ein wahrlich beeindruckendes Debüt!

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